Dienstag, 29. Oktober 2013

Medienwissen kompakt: Social Media

Das neue Buch "Social Media" von Jan-Hinrik Schmidt löst das ein, was der Titel der Reihe ("Medienwissen kompakt") verspricht, in der es erschienen ist. Es handelt sich um eine auf exakt 100 Seiten komprimierte Darstellung des Web 2.0 (bzw. der Sozialen Medien bzw. des Sozialen Webs) aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht, die rundum gelungen ist. Klar und anschaulich geschrieben, ordnet es zentrale Informationen und Debatten rund um "das neue Netz" (so der Titel einer früheren Veröffentlichung des Autors) anhand von Leitfragen wie:
  • Verschwindet durch soziale Medien die Privatsphäre? (Kapitel 3: Selbstdarstellung und Privatsphäre in sozialen Medien)
  • Machen soziale Medien jeden zum Journalisten? (Kapitel 4: Medienöffentlichkeit und Journalismus)
  • Bringen soziale Medien Wissen für alle? (Kapitel 5: Teilhabe an Wissenswelten)
  • Sind die sozialen Medien partizipativ? (Kapitel 6: Das Partizipationsparadox)
Der unscharfe Begriff "soziale Medien" lässt sich nach Schmidt durch zwei zentrale Merkmale eingrenzen: "bessere Möglichkeiten, Inhalte online zu veröffentlichen und zu bearbeiten sowie besserer Austausch mit anderen" (S. 11). Entscheidend für das Verständnis ist, "dass soziale Medien einen neuartigen Raum zwischen der massenmedialen und der interpersonalen Kommunikation schaffen und einnehmen" (S. 11). Der Autor unterscheidet vier "Gattungen" von sozialen Medien (S. 11-14):
  • Netzwerkplattformen (= Soziale Netzwerke, Platzhirsch: Facebook)
  • Multimediaplattformen (YouTube für Videos, Flickr für Fotos etc.)
  • Blogs (inkl. Microblogs, Platzhirsch: Twitter)
  • Wikis (allen voran Wikipedia)
Der Satz, der einer Definition am nächsten kommt, findet sich auf S. 16, wenn der Begriff "soziale Medien" bezeichnet wird
"... als Sammelbegriff für bestimmte Angebote und Formen digital vernetzter Medien, die das onlinebasierte Bearbeiten und Veröffentlichen von Inhalten aller Art sowie die Beziehungspflege und den Austausch zwischen Menschen erleichtern."
Dabei seien zwei wichtige Aspekte immer im Hinterkopf zu behalten:
"Soziale Medien entfalten erst im Zusammenspiel mit Menschen, die sie für ihre Zwecke einsetzen, ihre Wirkung. Und diese Wirkung ist Teil unseres alltäglichen Lebens, nicht auf eine virtuelle Realität beschränkt" (S. 21).
Besonders gelungen ist das dritte Kapitel, in dem Schmidt den für das Verständnis des Web 2.0 außerordentlich wichtigen Begriff der "persönlichen Öffentlichkeiten" einführt und erläutert. Es handelt sich um einen (auch medienhistorisch) neuen Typ von Öffentlichkeit, der an die Seite der Medienöffentlichkeit tritt und mit dieser vielfach verwoben ist.
"Zusammengefasst entstehen persönliche Öffentlichkeiten in den sozialen Medien also dort, wo Menschen Informationen von persönlicher Relevanz für ihr erweitertes soziales Netzwerk zugänglich machen und damit einen Austausch mit anderen anstoßen möchten" (S. 27).
Damit ändert sich das, was man "öffentliche Kommunikation" nennen könnte, grundlegend:
"Journalistische Medien schaffen gesellschaftliche Öffentlichkeit für Themen von breiter Relevanz, soziale Medien ermöglichen persönliche Öffentlichkeiten, in denen Menschen mit ihrem sozialen Umfeld in Kontakt bleiben können" (S. 28).
Den "Wandel von Medienöffentlichkeit" (S. 43) nimmt das vierte Kapitel unter die Lupe, das in dem Konzept der "vernetzten Öffentlichkeit" gipfelt:
"Soziale Medien schaffen somit 'vernetzte Öffentlichkeit' in dreifacher Hinsicht: Sie beruhen technisch gesehen auf vernetzten Computern, in sozialer Hinsicht auf Beziehungsnetzwerken zwischen Menschen, die wiederum miteinander verknüpfte Informationsströme teilen" (S. 52).
Dabei zeigt sich, dass soziale Medien die traditionellen Medien nicht etwa überflüssig machen, sondern den Journalismus im klassischen Sinn bei dessen Hauptfunktionen sogar unterstützen können ("die Bürger über aktuelle, relevante Themen zu informieren, Transparenz für Vorgänge in der Gesellschaft herzustellen und Raum für Diskussionen über gemeinsame Werte und Ziele zu schaffen", S. 56).

Das fünfte Kapitel widmet sich verschiedenen Möglichkeiten, wie angesichts des vielbeschworenen "information overload" Orientierung zu erlangen ist (Algorithmen, Bewertungen, Tagging etc.). Hierunter subsumiert der Autor auch das Wiki-Prinzip, das vor allem anhand der Wikipedia dargestellt wird (S. 66 ff.).

Im sechsten Kapitel weist Schmidt auf das Partizipationsparadox hin, das kurz gesagt darin besteht, dass die Web 2.0-Plattformen einerseits von der Beteiligung der Nutzer leben, als kommerzielle Dienste die Nutzer aber andererseits nicht beteiligen, wenn es um die Ausgestaltung der Plattformen geht.

Im Fazit (Kapitel 7) wagt der Autor eine Prognose, wenn er über die Zukunft der sozialen Medien schreibt:
"Doch soziale Medien erfüllen so viele Zwecke - sie machen persönliche Öffentlichkeiten möglich, erleichtern die rasche Verbreitung von Informationen, unterstützen Zusammenarbeit und das gemeinsame Sammeln, Filtern und Bearbeiten von Wissen -, dass die Prinzipien von Netzwerk- oder Videoplattformen, Wikis oder Blogs nicht wieder verschwinden werden, egal wie die Anbieter heißen" (S. 99).

Das Buch schließt mit dem Appell an uns alle, unseren Einfluss auf soziale Medien wahrzunehmen und das Feld nicht (kampflos) den großen Anbietern zu überlassen.

  

Donnerstag, 17. Oktober 2013

Recherche 2.0 - unser neues Buch zur Internetrecherche im Web 2.0-Zeitalter

Nun ist es (endlich) erschienen, unser neues Buch: "Recherche 2.0. Finden und Weiterverarbeiten in Studium und Beruf". Jürgen Plieninger, Christian Rapp und ich versuchen darin, eine praxisnahe Anleitung zur professionellen Internetrecherche und zum webbasierten Wissensmanagement zu geben. Im Klappentext steht:

"Diese Einführung unterscheidet sich von anderen, indem sie breit in die wissenschaftliche Internetrecherche einführt, das methodische Vorgehen und die Analyse der Ergebnisse eingehend behandelt und vor allem die Recherche in und mit Hilfe von Web 2.0-Diensten systematisch berücksichtigt. Dabei wird die Recherche als Teil des umfassenderen Ablaufs „Finden – Bewerten – Festhalten – Auf dem Laufenden bleiben” begriffen. Es werden also über die Recherche hinaus Werkzeuge vorgestellt, mit denen man die Ergebnisse festhalten kann (Notizbücher, soziale Bookmarkdienste und Literaturverwaltung) und es wird behandelt, wie man bezogen auf seine Themen und auf das Recherchieren selbst up to date bleibt. Ein Buch aus der Praxis für die Praxis: für Wissenschaftler, für Studierende und für jene, die bereits im Beruf sind und methodisch umfassend und effektiv das wissenschaftliche Recherchieren lernen wollen."


Die Links, die im Buch vorkommen, haben wir hier gesammelt. Der folgende Text basiert auf der Einleitung des Buches und versucht eine Beschreibung des Inhalts:

Professionelles Recherchieren zählt ohne Zweifel zu den Kernbereichen wissenschaftlichen Arbeitens. Eine sorgfältige Recherche bildet die Grundlage für eine gute wissenschaftliche Arbeit. Aber was heißt eigentlich Recherchieren? Häufig wird darunter verkürzt das Suchen nach Literatur und Inhalten verstanden, das sich mittlerweile überwiegend im Internet abspielt (und dort vor allem bei Google). Das ist aber zu kurz gedacht. Professionelle Recherche umfasst nämlich nicht nur das Finden der benötigten Informationen, sondern schließt das systematische Festhalten dieser Informationen mit ein und fragt auch danach, wie wir in unseren Arbeits- und Interessensgebieten auf dem Laufenden bleiben können.

Und noch ein zweiter Punkt fällt häufig unter den Tisch. Überlegen Sie sich, welches Bild Sie vor Augen haben, wenn Sie an den Vorgang des Recherchierens denken? Wenn es Ihnen geht wie den meisten TeilnehmerInnen unserer Seminare, dann sehen Sie eine Person, die alleine vor dem Bildschirm sitzt (oder am Bücherregal der Bibliothek steht). Recherchieren gilt zu Unrecht immer noch als Einzelsportart. Das wird unserer Welt nicht mehr gerecht. Wir verfügen mit dem Web (2.0) über eine globale Plattform zum Sammeln, Austauschen und gemeinsamen Erstellen von Informationen aller Art. Da kann es nicht überraschen, dass sich auch und gerade das wissenschaftliche Arbeiten grundlegend ändert.

Bezogen auf den Teilbereich Recherche können wir von Recherchieren 2.0 sprechen. Was heißt das? Es bedeutet, dass wir nicht mehr darauf beschränkt sind, uns alleine vor dem Rechner mit Hilfe von Datenbanken und Katalogen die notwendigen Informationen zu beschaffen, sondern dass wir mit Personen aus aller Welt in Verbindung stehen (können), die vergleichbaren Fragestellungen nachgehen. Das ist der Grund dafür, dass wir in diesem Buch durchgängig von zwei Wegen sprechen, um Informationen zu finden, festzuhalten und um auf dem Laufenden zu bleiben: einmal den herkömmlichen Weg über Maschinen (Suchhilfen und ihre Algorithmen) und zum zweiten über Menschen. Recherche im Web 2.0-Zeitalter lässt sich nicht mehr vom Aufbau und der Pflege eines Personal Learning Networks trennen.

Das Web 2.0 wird häufig auch als Lese-/Schreibe-Web bezeichnet und dadurch von dem Web vor dem Aufkommen von Wikis, Blogs und sozialen Netzwerken abgegrenzt, das (weit überwiegend) ein reines Lese-Web war. Der entscheidende Unterschied zum heutigen Web besteht also darin, dass wir Webseiten nicht mehr nur lesen können, wie das in den Anfangsjahren des Internet der Fall war, sondern dass wir problemlos und schnell in der Lage sind, selbst im Web zu veröffentlichen. Das bringt faszinierende neue Möglichkeiten mit sich, bedeutet aber auch, dass wir uns auf die Glaubwürdigkeit dessen, was wir im Internet finden, nicht mehr ohne weiteres verlassen können. Prinzipiell kann heute jeder veröffentlichen, was er will. Bezogen auf die Recherche heißt das, dass dem Bewerten von Informationen eine noch größere Bedeutung zukommt. Diesem Aspekt haben wir deshalb einen eigenen Teil gewidmet. Damit ergibt sich folgende Gliederung in vier Teile:

Finden: Im umfangreichsten Teil des Buches stellen wir Ihnen die wichtigsten Suchdienste und -strategien praxisnah vor. Den Schwerpunkt haben wir auf den Wissenschaftsbetrieb und das Studieren gelegt. Nach einem Abschnitt zu den Grundlagen der Suche beschäftigen wir uns am Beispiel von Google mit der erweiterten Suche. Die dortigen Filtermöglichkeiten erlauben es Ihnen, der Suchmaschine genauer zu “sagen”, was Sie von ihr wollen, und tragen damit zu einer effizienteren Recherche bei. Die Nutzung verschiedener Suchmaschinen steht im Mittelpunkt des folgenden Abschnitts. Wir behandeln allgemeine Suchmaschinen, Meta-Suchmaschinen und werfen einen kurzen Blick auf das Feld der semantischen Suche. Daran schließt sich die Vorstellung spezieller Suchinstrumente an, die es beispielsweise erlauben, sich schnell einen Überblick über ein neues Themengebiet zu verschaffen (Wikimindmap) oder ähnliche Seiten zu finden wie diejenige, auf der man sich gerade befindet.

Einen grundlegend anderen Weg der Recherche bieten die Suchhilfen, die wir uns im Abschnitt “Web 2.0 und Recherche” anschauen. Ging es bislang darum, einen maschinell erstellten Index mit Hilfe der jeweiligen Algorithmen für unsere Suchanliegen zu nutzen, stehen nun die Menschen im Zentrum, die Social Bookmarking-Dienste (Delicious, Diigo) nutzen oder Präsentationen (Slideshare) sowie andere Dokumente zur Verfügung stellen (Scribd, Docstoc). Ein weiterer Abschnitt behandelt einige besonders leistungsfähige Wissenschafts- und Literatursuchmaschinen. Ergänzend dazu bietet der anschließende Abschnitt wichtige Hinweise zum Umgang mit Katalogen und Fachdatenbanken. Ein Beispiel aus unserer beruflichen Praxis rundet die Darstellung ab und zeigt die verschiedenen Suchhilfen im Zusammenspiel.

Bewerten: Im zweiten Teil geben wir Ihnen Hinweise dazu, wie Sie im Rechercheprozess die Verlässlichkeit und Relevanz einer Quelle prüfen können. Hierfür gibt es mehrere Möglichkeiten, etwa die Bewertung der Qualität eines Ergebnisses anhand der Qualität der Informationsquelle, der sie entstammt. Eine andere wichtige Möglichkeit besteht darin, dass Sie Ergebnisse vergleichen, um zu einer validen Bewertung zu kommen.

Festhalten: Im dritten Teil geht es darum, wie Sie das, was Sie bei Ihren Recherchen gefunden haben, systematisch festhalten können. Wir stellen Ihnen verschiedene Werkzeuge vor, mit denen sich Inhalte, Links und Literaturangaben so ablegen lassen, dass man sie wieder findet. Das ist natürlich das wichtigste Ziel des webbasierten Wissensmanagements, aber es ist nicht das einzige. Daneben kann wichtig sein, dass Sie von überall her auf Ihre Informationen zugreifen oder dass Sie diese mit anderen teilen können. Zum Festhalten von Links stellen wir Ihnen mit Google Bookmarks und Diigo zwei webbasierte Dienste vor, die das Spektrum an verfügbaren Diensten gut veranschaulichen. Am Beispiel von Evernote geht es um das Festhalten von Inhalten. Ein weiterer ausführlicher Abschnitt widmet sich den für das wissenschaftliche Arbeiten zentralen Literaturverwaltungsprogrammen.

Auf dem Laufenden bleiben: Der vierte Teil zeigt Ihnen verschiedene Wege auf, wie Sie in Ihren Interessens- und Arbeitsgebieten auf dem Laufenden bleiben können. Wie schon beim “Finden” gibt dafür im wesentlichen zwei Wege: Mit Hilfe von Maschinen und mit Hilfe von Menschen. Der Königsweg besteht in der Kombination von beidem. Wir stellen beide Wege vor, einmal den Weg mittels Menschen, mit denen man sich auf Plattformen wie Facebook und Twitter oder auf Diensten wie Diigo oder Worldcat verbindet und aus denen mit der Zeit ein Personal Learning Network entsteht. Zum zweiten den “maschinellen” Weg mittels RSS-Feeds. Hier beschäftigen wir uns damit, wie man RSS-Feeds findet, abonniert, und wie man mit Hilfe eines Feedreaders systematisches Wissensmanagement betreibt und sich ein Archiv zu den Interessens- und Arbeitsgebieten aufbaut. Den Abschluss des Kapitels und damit des Buches bilden einige Hinweise dazu, wie Sie – angesichts der dynamischen Entwicklung im Web – Ihren Werkzeugkoffer für die professionelle Recherche auf dem Laufenden halten können.

Noch ein Hinweis, um Missverständnisse zu vermeiden: Wir haben die Darstellung in vier Teile (Finden – Bewerten – Festhalten – Auf dem Laufenden bleiben) unterteilt, die man für Phasen in einem wohlgeordneten Prozess der Recherche halten könnte. Das ist nicht der Fall, denn jede Recherche ist anders, wohl aber gehören diese vier Teilbereiche zu jeder professionellen Recherche. Die Reihenfolge geht in der Praxis häufig durcheinander und stellt sich, was die Gewichtung der Bereiche und Auswahl der einzusetzenden Instrumente betrifft, für jede Recherche anders dar. Wir hoffen aber, dass wir Ihnen durch die Trennung in vier Teilbereiche Orientierung im komplexen Feld der Recherche ermöglichen können und dass die Vorstellung der wichtigsten Werkzeuge und Vorgehensweisen dazu beitragen wird, Ihre Recherchen nachhaltig zu verbessern.

Das führt uns zum Ziel des Buches: Nach der Lektüre – so hoffen wir – verfügen Sie über ein Arsenal an Werkzeugen und Strategien, um verschiedenste Recherchen effizient zu planen und durchzuführen, von der simplen Suche nach der Antwort auf eine Informationsfrage über den Einstieg in ein neues Themengebiet bis hin zur professionellen Recherche für Ihre Abschlussarbeit.

Sonntag, 29. September 2013

Keynote von Don Tapscott über die Zukunft der Universität

Wie immer geistreich und unterhaltsam: Don Tapscott fasst zunächst anschaulich die Grundgedanken von "Wikinomics" und "Macrowikinomics" zusammen, um sich dann der Zukunft der Hochschulbildung zuzuwenden. Es lohnt sich, die 80 min zu investieren:



Die wichtigsten Bücher, die angesprochen werden:

     

Sonntag, 1. September 2013

Übersetzte Suche

Im Mai meldeten wir, dass Google den Dienst "Google Translate" eingestellt hat. Es gibt hierfür einen Ersatz und einen halben Ersatz:
  1. Der Dienst 2lingual Google Search übersetzt weiterhin die Suchbegriffe in eine Fremdsprache und zeigt dann die Ergebnisse an.
  2. Yahoo! bietet in seiner erweiterten Suche ziemlich weit unten die Option an, in fremdsprachigen Dokumenten zu recherchieren. Allerdings werden hier die Suchbegriffe nicht übersetzt, sondern Dokumente in der angegebenen Fremdsprache, die - entweder auf der Seite selbst oder im Seitenquelltext - die angegebenen Suchbegriffe enthalten. Es stellt dies also keine echte Fremdsprachensuche dar!
Bei beiden Optionen werden die Ergebnisse auch in der Fremdsprache dargestellt, also nicht gleich übersetzt, wie ursprünglich in Google Translate. - Hier kann beispielsweise die Verwendung des Google Chrome-Browsers sinnvoll sein, welcher erkennt, ob eine Webseite in einer anderen als der Standardsprache erstellt wurde und eine Übersetzung anbietet. Die Übersetzung ist hier also lediglich einen Klick entfernt, anstatt dass man Copy & Paste-Orgien feiern muss, indem man Textstellen in einen Übersetzungsdienst überträgt und übersetzen lässt.

Montag, 26. August 2013

Diigo mit neuem Outfit und Geschäftsmodell

Diigo, der große Konkurrent des sozialen Bookmarkdienstes delicious erscheint in neuem Design,
das viel klarer und - im Moment - ohne die bisher hinzugefügte Werbung daherkommt. Offensichtlich hatte man mit seinem Geschäftsmodell Erfolg - beispielsweise, dass Mehrwertdienste wie das unbegrenzte Ablegen von Inhalten oder das Highlighten von Textsetellen dem "Premium"-Bezahlmodell vorbehalten ist.
Wer die Inhalte sonstwo online ablegen möchte, muss beispielsweise das Notizbuch Evernote verwenden. Was auch neu gestaltet wurde, ist die Extension für Chrome, die vielfältige Verarbeitung der zu speichernden Webquelle erlaubt:
Alles in allem ist Diigo ein hervorragendes, an die eigenen Bedürfnisse anpassungsfähiges Tool und - das muss auch hervorgehoben werden - immer noch ein Web 2.0-Instrument, indem man hier sein Netzwerk pflegen oder auch Gruppen aufbauen kann. Oder auch nur einen Blick über den Tellerrand werfen kann, indem man auf Diigo nach tags sucht und sieht, was andere User abgespeichert haben! Wer mehr über den Relaunch lesen möchte, kann im Diigo Blog schmökern oder in TechCrunch.

Freitag, 2. August 2013

Don Tapscott über die Net Generation

Auf sehr unterhaltsame Weise erklärt Don Tapscott die Eigenheiten und das Potenzial der digital natives bzw. der net generation. Zentraler Punkt für uns digital immigrants dabei ist das, was auch ich immer wieder in meinen Vorträgen zu Themen rund um das Web 2.0 hervorhebe: "We fear what we don't understand"...


Watch live streaming video from ideacity at livestream.com


Die beiden Bücher, auf die sich Tapscott bezieht, sind nach wie vor überaus lesenswert:

  

Mittwoch, 24. Juli 2013

Near-Operator bei Bing

Wussten Sie, dass nicht nur Google (entweder mit einen * zwischen den beiden Suchwörtern, aber auch mit AROUND(x), wobei x=die maximale Zahl der Wörter zwischen den beiden Suchbegriffen angibt), sondern auch Bing einen “near”-Operator bietet? Karen Blakeman hat eine Matrix erstellt, in welcher die Suchspezifikationen für Google, Bing und DuckDuckGo aufgelistet sind. Sehr schön! [via einem Google-kritischen Eintrag in Blakemans Blog]

Mittwoch, 26. Juni 2013

#exif13: MOOC zum Wissenschaftlichen Arbeiten

Eigentlich ist dies ein Eintrag von Ragnar, denn er hat mich durch einen Link auf dieses Angebot gebracht - einen Online-Kurs zum Wissenschaftlichen Arbeiten.
"Getreu dem Motto “Nach dem MOOC ist vor dem MOOC” werden wir im Juni und Juli 2013 einen weiteren MOOC anbieten. Thema wird wissenschaftliches Arbeiten sein und eingeladen sind alle (und diesmal wirklich alle), die sich mit Fragen zu Hypothesen, Methoden, Statistik oder dem Verfassen einer wissenschaftlichen Arbeit beschäftigen."
[via Homepage bei der Fernuni Hagen]

Der Zeitplan sieht so aus:

  • 12.06.2013, 18 Uhr: Was ist wissenschaftliches Arbeiten? 
  • 20.06.2013, 18 Uhr: Wie funktioniert eine Literaturrecherche? 
  • 27.06.2013, 18 Uhr: Wozu brauche ich eine Forschungsfrage? 
  • 04.07.2013, 18 Uhr: Wie findet man methodisch Antworten auf die Forschungsfrage? 
  • 11.07.2013, 18 Uhr: Wozu braucht man ab und an Mathematik und Statistik im Forschungsprozess? 
  • 18.07.2013, 18 Uhr: Auf den Punkt gebracht: Wie schreibe ich eine wissenschaftliche Arbeit?

Dienstag, 25. Juni 2013

Wie lassen sich die globalen Probleme lösen?

Laut Don Tapscott besteht Anlass zur Hoffnung, denn es bilden sich dank des Web 2.0 neuartige Akteure heraus, die er "Global Solution Networks" nennt. In einem interessanten Vortrag auf der SXSW 2013, über den ich an anderer Stelle ausführlich berichte, stellt er sie vor:


Don Tapscott - How To Solve the World's Problems - SXSW Interactive 2013 from SXSW on Vimeo.

Mittwoch, 12. Juni 2013

Ist Twitter in der Wissenschaftskommunikation sinnvoll? - Teil 1

Auf den ersten Blick sieht das hier so aus, als ob es das übliche Gesammele von Kontakten, ob relevant oder nicht, ist und das ebenso übliche Gekrähe, wie beliebt man nun ist, zwecks der wachsenden Zahle der Follower. Also eine übliche Geschichte aus dem märchenhaften Bereich der "social media" - und dann auch noch in Twitter, das ja nur 140 Zeichen pro Eintrag erlaubt und damit nichts, was man sinnvoll kommunizieren könnte? - So könnte man meinen, so ist es aber nicht!

Um noch hier beim Beispiel zu bleiben: Thorsten Faas ist Professor für Politikwissenschaft an der Universität Mainz (hier seine offizielle und hier seine private Homepage) und twittert zu seinem Fachgebiet, Wahlforschung - und ab und zu noch ein wenig Fussball. Man hat also Gelegenheit, einem Wissenschaftler bei seinen Entdeckungen, Wertungen, Hinweisen und Überlegungen folgen zu können. Das findet nicht so ausgiebig wie in einem Weblog statt, schließlich gehört Twitter - wie übrigens auch vergleichbare Dienste wie z.B. identi.ca - zum "Microblogging", d.h. es werden nur kleine Sequenzen gepostet, ggf. ergänzt durch Bilder oder Videos.

Ich konnte mir den Mehrwert, den das bringt, anfangs auch nicht recht klar machen, im Grunde muss man anfangen, Kontakte nach Interessen knüpfen. Das geht auf Twitter recht leicht, wenn man schonmal einige Kontakte hat, dann wird man entweder durch Retweets mit den Inhalten weiterer Nutzer/innen vertraut und kann sie abonnieren oder man folgt einem so genannten hashtag, einem Schlagwort. Das sind die Begriffe, die mit einer vorangestellten Raute "#" versehen sind. Oder ich suche in Twitter selbst oder mit Hilfe einer Spezialsuchmaschine wie Topsy nach mich interessierenden Inhalten. Wenn Sie beispielsweise "Wahlforschung" eingeben, kommen Sie wieder auf den oben aufgeführten Twitterer.

Twitter gibt also seine Inhalte recht leicht her, so dass man gut abschätzen kann, ob zu interessierenden Themen relevante Inhalte oder Kommunikationspartner existieren. Und diese kann man weiter beobachten, indem man sich mit ihnen verbandelt. Ob Prof. Faas weiß, dass ich seine Inhalte zur Kenntnis nehme, seit er im September 2012 zum DVPW-Kongress in Tübingen weilte? Es kommt nicht darauf an! Man kann also auf Abstand bleiben oder selbst beitragen oder Diskussionen anfangen, ganz nach Gusto.

Noch etwas gibt das obige Beispiel her: Mit Hilfe von Twitter lassen sich Tagungen gut "verfolgen", wenn genügend eifrige Twitterer an der Tagung teilnehmen. Sie sehen oben das Schlagwort #wks13. Das ist das Schlagwort zu einer Konferenz, das verlinkt ist. Wenn Sie daraufklicken, bekommen Sie Tweets, also Einträge auf Twitter, zu dieser Konferenz, nicht nur von Thorsten Faas, sondern auch von anderen, die an der Konferenz teilnehmen - oder nicht teilnehmen, aber Fragen dazu stellen oder Wertungen abgeben. Somit löst sich die Konferenz potentiell vom Tagungsort, indem Twitterer Inhalte und Verweise (beispielsweise auf abgelegte Präsentationen der Referentinnen und Referenten) posten und andere dies zur Kenntnis nehmen und ggf. darauf reagieren können.

Werden über Twitter nur magere Informationen verteilt? Dieses Beispiel zeigt: Je nach der Güte der Inhalte, die meine Kontakte generieren, wird mein Horizont ziemlich erweitert, sowohl im geographischen als auch im sachlichen Sinne. Twitter kann eine ernstzunehmende Quelle wissenschaftlicher Informationen sein, die noch dazu aktuell sind und Wertungen enthalten - etwas, das durchaus hilfreich sein kann, wenn man es einschätzen kann. Im zweiten Teil - in 7-10 Tagen - möchte ich gern noch systematischer auf die verschiedenen Inhalte, die über Twitter greifbar sind, eingehen.

Mittwoch, 22. Mai 2013

Google stellte die "Translated Search" ein

Nun ist die Welt doch wieder ein Stück auseinander gerückt: Konnte man seit einigen Jahren - Wolfgang Schumann hatte hier bereits am 05.12.2009 darüber geschrieben - als Option in der Google-Suche deutschsprachige Stichwörter eingeben, eine oder mehrere Sprachen auswählen, dann wurde im betreffenden Sprachbereich gesucht, die Ergebnisse in der Kurzdarstellung auf deutsch übersetzt und ggf. auch die Webseiten übersetzt. Zugegeben mit Hilfe von Google Translate, was mitunter zweifelhafte Ergebnisse brachte, man konnte mit dieser Option aber in fremdsprachigen Webinhalten recherchieren und auf deutsch zumindest beurteilen, ob sich weiterer Aufwand - beispielsweise für eine bessere Übersetzung - lohnen. Das ist nun vorbei. Karen Blakeman beklagt die Aufgabe dieses Dienstes ebenfalls und bringt eine kurze Textpassage von Google, in welcher auf Google Translate verwiesen wird und auch auf die Extension im Chrome-Browser, mit der man ganze Webseiten übersetzen kann. Geschenkt! Google Operating System schildert eingehender, dass diese Suchoption zuerst 2007 eine Option von Google Translate war und 2009 als Option in die allgemeine Suche integriert wurde. Und bringt wohl den wahren Grund: diese Option wurde nicht intensiv genutzt. Vielleicht interessiert man sich trotz Globalisierung doch nicht so intensiv füreinander. Jedenfalls: Wenn man ab jetzt etwas im arabischen, japanischen oder sonst einem exotischen Sprachraum sucht, hat man richtig Aufwand:
  • Suchwörter übersetzen, ggf. zuerst geeignete Wörterbücher finden
  • geeignete Suchmaschine (oder die jeweils lokale Google-Ausgabe) finden
  • Ergebnisse übersetzen.
Was bisher im Fluss ging, wird jetzt (wieder) richtig Arbeit. R.I.P., Translated Search!!

Blogparade: Hilfe, mein Prof blogt!

Das SOOC13-Team fragt im Rahmen einer Blogparade:
Liebe Professoren, Dozenten, Universitätsmitarbeiter…: Warum blog(g)t Ihr eigentlich?
Da diese Frage recht regelmäßig in meinen hochschuldidaktischen Seminaren für ProfessorInnen auftaucht, habe ich an anderer Stelle verschiedentlich bloggend darüber nachgedacht und versuche diese Gedanken hier zusammenzufassen.

(1) Zuerst ein Web 2.0-typischer Grund: Der individuelle Nutzen verbindet sich (mühelos) mit einem (potenziellen) allgemeinen Nutzen - was heißt das im Fall des Bloggens? Bloggen heißt für mich auch und nicht zuletzt, meine Gedanken zu einer Sache, einem fertig gelesenen Buch, einer Diskussion zu ordnen und geordnet abzulegen, nämlich in Form eines Blog-Postings. Früher hätte ich mir vielleicht handschriftlich Notizen gemacht (und diese dann so abzulegen versucht, dass ein Wiederfinden nicht von vornherein ausgeschlossen werden musste). Dabei ist es ein schöner Nebeneffekt, dass möglicherweise andere von diesen Notizen profitieren, dass ich also - ähnlich wie beim Social Bookmarking - angesichts der Informationsflut Kurator-Dienste leiste.

Ein Beispiel: Vor einiger Zeit habe ich das damals neue Buch "Net Smart" von Howard Rheingold gelesen, das sich mit dem für mich unmittelbar einschlägigen Thema befasst, was digital literacy heute umfasst und v.a. wie digital literacy unterrichtet werden könnte. Nach der Lektüre habe ich einige interessante Gedanken aus dem Buch in Form eines Postings festgehalten. Das war für mich persönlich nützlich und hat vielleicht bewirkt, dass andere auf dieses empfehlenswerte Buch aufmerksam wurden - eine win-win-Situation also.

(2) Ein weiterer Grund, warum ich blogge bzw. - allgemeiner formuliert - warum ich Blogs in der Hochschullehre einsetze: Seit einigen Semestern halte ich an der PH Ludwigsburg eine Veranstaltung zum Themenbereich "Web (2.0), Medienkompetenz, (politische) Bildung" (mit wechselnden Titeln und Schwerpunkten). Hierzu habe ich einen Blog eingerichtet, der die Seminare semesterübergreifend begleitet.



Auch wenn der Erfahrungsschatz noch überschaubar ist, lässt sich doch eine Zwischenbilanz ziehen, die rundweg positiv ausfällt:
  • Es entsteht nach und nach eine ordentliche Ressource zu dem Themengebiet, auf die in jedem neuen Semester aufgebaut werden kann.
  • Rund 10% der Studierenden posten regelmäßig, wenn sie auf relevante Inhalte stoßen, weitere rund 20% posten gelegentlich, der Rest selten oder gar nicht. Die Postings beleben die Lehrveranstaltung.
  • In bescheidenem Maße, aber immerhin, wird der Wochenrhythmus zugunsten einer kontinuierlichen Beschäftigung mit der Thematik aufgehoben.
  • Auch als Seminarleiter stößt man durch die Postings der Studierenden immer wieder auf Neues und Interessantes.
  • Seminararbeiten (Beispiele) werden nicht mehr wie bisher, sondern als ausführliche Blog-Postings verfasst. Die Qualität der Arbeiten hat sich dadurch verbessert (vermutlich, weil die Motivation größer ist, wenn man für ein Publikum schreibt).
  • Seminararbeiten nützen anderen, statt in der Schublade des Seminarleiters zu verschwinden.
  • Es besteht die Möglichkeit, im Blog auch größere Projektergebnisse zu veröffentlichen (Beispiel: Wikipedia verstehen).
Abgesehen davon ist es m.E. zwingend, dass Studierende Postings verfassen, um diese neue Textsorte kennenzulernen und einzuüben. In aller Regel stellt das erste Posting für den Seminarblog für die Studierenden auch das erste Posting überhaupt dar.

(3) Abschließend möchte ich noch auf diesen Blog und damit auf einen ganz praktischen Aspekt zu sprechen kommen. Hier werden Aktualisierung zu den Themen gepostet, die in meinen Seminaren zu Internetrecherche und webbasiertem Wissensmanagement behandelt werden. Die TeilnehmerInnen abonnieren den Blog im Lauf des Seminars und können auf diese Weise nach Seminarende auf dem Laufenden bleiben. Ein solcher Aktualisierungdienst ist in einem derart dynamischen Umfeld zwingend. Da ich an verschiedenen Hochschulen und in vielen anderen Kontexten lehre, erleichtert mir ein zentraler Blog die Arbeit erheblich.

Dienstag, 21. Mai 2013

Wissenschaft 2.0 kommt so langsam im Mainstream an!

Genau, dieses Blog und die Betreiber beackern ja auch schon seit Jahren dieses Thema!

Freitag, 17. Mai 2013

Peeragogy - Peer Learning Handbook

Internetlegende Howard Rheingold erklärt selbst, für wen und was das Peer Learning Handbook gedacht ist:



Zu finden ist das außerordentlich nützliche Handbuch hier. Es handelt sich übrigens um ein offenes (und offen lizensiertes) Projekt:
This document is a practical guide to online co-learning, a living document that invites comment and invites readers to join the community of editors; the document does not have to be read in linear order from beginning to end. If you and a group of other people want to use digital media and networks to co-learn together, this handbook is a practical tool for learning how to self-organize peer learning — what we call “peeragogy.”
Unterteilt ist es (bislang) in neun Abschnitte: Introduction, Motivation, Practice, Convene, Organize, Cooperate, Assess, Tools und Resources.

Wer lieber gedruckte Bücher liest, dem sei Howard Rheingolds Buch "Net Smart" empfohlen, das nach wie vor zu den besten Veröffentlichungen zu digital literacy zählt: